Sterben die Insekten bald aus?

Beunruhigende Studie: Zunehmende Anzeichen für ein fatales Insektensterben

 

Die Insekten dieser Welt verschwinden in atemberaubendem Tempo. Schon in hundert Jahren könnten sie ausgestorben sein. Was dann droht, ist nicht weniger als der Kollaps unseres Ökosystems.

Es klingt wie ein Horrorszenario aus einem Film: Schon in einem Jahrhundert könnte es auf unserer Erde keine Insekten mehr geben. Wie der britische «Guardian» berichtet, stünden die Ökosysteme der Natur, wie wir sie kennen, damit vor einer Katastrophe.


Das sechste Massensterben
 

Zu diesem erschreckenden Schluss kommt die erste globale wissenschaftliche Studie zum Thema, die von dem Blatt zitiert wird. Demnach seien die Bestände von mehr als 40 Prozent der weltweiten Insektenarten rückläufig und ein weiteres Drittel vom Aussterben bedroht. Das Verschwinden der Insekten schreitet der Analyse zufolge achtmal schneller voran als jenes von Säugetieren, Vögeln und Reptilien.

 

Insgesamt sinkt die Gesamtzahl an Insekten auf der Erde jährlich um 2,5 Prozent – was zu einer bislang unvorstellbaren Erkenntnis führt:  Innerhalb eines Jahrhunderts könnten die Insekten von unserem Planeten verschwunden sein. Die Erde steht laut Wissenschaftlern am Beginn des sechsten Massensterbens seiner Geschichte.

 

Während das Aussterben grösserer Tiere einfacher untersucht werden kann, sind die Insekten die mit Abstand vielfältigsten Lebewesen – von ihnen existieren aktuell 17-mal mehr, als Menschen auf der Erde leben. Insekten, so die Studie, sind «unverzichtbar» für das reibungslose Funktionieren aller Ökosysteme – als Nahrung für andere Lebewesen, als Bestäuber und Verwerter von Nährstoffen.

 

 

Globale Krise

 

 
Die Studie zeigt eindeutig auf, dass die Krise global ist. Auch aus diesem Grund formulieren die Forscher ihre Schlussfolgerungen in für eine wissenschaftliche Arbeit ungewöhnlich eindringlichen Worten:  «Die Insekten-Entwicklung bestätigt, dass das sechste grosse Aussterben tiefgreifende Auswirkungen auf die Lebensformen auf unserem Planeten hat.»

Weiter heisst es in dem Bericht, der in der Zeitschrift «Biological Conservation» veröffentlicht wurde: «Wenn wir unsere Methoden der Nahrungsmittelproduktion nicht ändern, werden Insekten als Ganzes in einigen Jahrzehnten ausgestorben sein. Die Auswirkungen, die dies auf die Ökosysteme des Planeten haben wird, sind, gelinde gesagt, katastrophal.»

 

Auch die Menschheit selbst ist bedroht, so Francisco Sánchez-Bayo von der University of Sydney im «Guardian»: «Wenn die Verluste der Insektenarten nicht gestoppt werden können, wird dies katastrophale Folgen für die Ökosysteme des Planeten und das Überleben der Menschheit haben». Der Wissenschaftler nennt die Jahresverlustrate «schockierend». Betroffen sind vor allem Schmetterlinge, Motten, Bienen und Käfer.

 

Einer der grössten Auswirkungen des Insektensterbens betrifft jene Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische, die Insekten fressen. «Wenn diese Nahrungsquelle wegfällt, verhungern alle diese Tiere», so Sánchez-Bayo. In Puerto Rico sei dieser Effekt bereits beobachtet worden.

 

Landwirtschaft als Hauptgrund?
                                  

Als Hauptgrund des Insektensterbens nennen die Forscher, die insgesamt 73 Studien auswerteten, die intensive Landwirtschaft und insbesondere den starken Einsatz von Pestiziden. Urbanisierung und Klimawandel sind ebenfalls wichtige Faktoren.

Sánchez-Bayo analysiert: «Die Bäume und Sträucher, die normalerweise die Felder umgeben, werden beseitigt. Übrig bleiben nackte Felder, die mit synthetischen Düngemitteln und Pestiziden behandelt werden.» Der Forscher glaubt, dass neue Klassen von Insektiziden, die in den letzten 20 Jahren eingeführt wurden, besonders schädlich sind. Diese Chemikalien würden routinemässig verwendet und in der Umwelt fortbestehen: «Sie sterilisieren den Boden und töten alle Larven.» Die Menschheit müsse die Art und Weise, wie sie Lebensmittel anbaut, verändern, sagte Sánchez-Bayo. Demnach würden beispielsweise Biobetriebe zum Überleben der Insekten beitragen. 

Auch persönlich habe Sánchez-Bayo kürzlich beobachten können, dass die Zahl der Insekten abnehme, wie er dem «Guardian» verriet: Beim Urlaub mit seiner Familie habe er mit dem Auto eine Strecke von 700 Kilometern durch das ländliche Australien zurückgelegt – aber nicht einmal die Windschutzscheibe reinigen müssen: «Vor Jahren musste man das ständig tun.»

 

 

      

 

 

 

Die Insekten dieser Welt verschwinden in atemberaubendem Tempo. Schon in hundert Jahren könnten sie ausgestorben sein. Was dann droht, ist nicht weniger als der Kollaps unseres Ökosystems.

Es klingt wie ein Horrorszenario aus einem Film: Schon in einem Jahrhundert könnte es auf unserer Erde keine Insekten mehr geben. Wie der britische «Guardian» berichtet, stünden die Ökosysteme der Natur, wie wir sie kennen, damit vor einer Katastrophe.

Das sechste Massensterben

Zu diesem erschreckenden Schluss kommt die erste globale wissenschaftliche Studie zum Thema, die von dem Blatt zitiert wird. Demnach seien die Bestände von mehr als 40 Prozent der weltweiten Insektenarten rückläufig und ein weiteres Drittel vom Aussterben bedroht. Das Verschwinden der Insekten schreitet der Analyse zufolge achtmal schneller voran als jenes von Säugetieren, Vögeln und Reptilien.

Insgesamt sinkt die Gesamtzahl an Insekten auf der Erde jährlich um 2,5 Prozent – was zu einer bislang unvorstellbaren Erkenntnis führt:  Innerhalb eines Jahrhunderts könnten die Insekten von unserem Planeten verschwunden sein. Die Erde steht laut Wissenschaftlern am Beginn des sechsten Massensterbens seiner Geschichte.

Während das Aussterben grösserer Tiere einfacher untersucht werden kann, sind die Insekten die mit Abstand vielfältigsten Lebewesen – von ihnen existieren aktuell 17-mal mehr, als Menschen auf der Erde leben. Insekten, so die Studie, sind «unverzichtbar» für das reibungslose Funktionieren aller Ökosysteme – als Nahrung für andere Lebewesen, als Bestäuber und Verwerter von Nährstoffen.

Globale Krise

Die Studie zeigt eindeutig auf, dass die Krise global ist. Auch aus diesem Grund formulieren die Forscher ihre Schlussfolgerungen in für eine wissenschaftliche Arbeit ungewöhnlich eindringlichen Worten:  «Die Insekten-Entwicklung bestätigt, dass das sechste grosse Aussterben tiefgreifende Auswirkungen auf die Lebensformen auf unserem Planeten hat.»

Weiter heisst es in dem Bericht, der in der Zeitschrift «Biological Conservation» veröffentlicht wurde: «Wenn wir unsere Methoden der Nahrungsmittelproduktion nicht ändern, werden Insekten als Ganzes in einigen Jahrzehnten ausgestorben sein. Die Auswirkungen, die dies auf die Ökosysteme des Planeten haben wird, sind, gelinde gesagt, katastrophal.»

Auch die Menschheit selbst ist bedroht, so Francisco Sánchez-Bayo von der University of Sydney im «Guardian»: «Wenn die Verluste der Insektenarten nicht gestoppt werden können, wird dies katastrophale Folgen für die Ökosysteme des Planeten und das Überleben der Menschheit haben». Der Wissenschaftler nennt die Jahresverlustrate «schockierend». Betroffen sind vor allem Schmetterlinge, Motten, Bienen und Käfer.

Einer der grössten Auswirkungen des Insektensterbens betrifft jene Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische, die Insekten fressen. «Wenn diese Nahrungsquelle wegfällt, verhungern alle diese Tiere», so Sánchez-Bayo. In Puerto Rico sei dieser Effekt bereits beobachtet worden.

Landwirtschaft als Hauptgrund?

Als Hauptgrund des Insektensterbens nennen die Forscher, die insgesamt 73 Studien auswerteten, die intensive Landwirtschaft und insbesondere den starken Einsatz von Pestiziden. Urbanisierung und Klimawandel sind ebenfalls wichtige Faktoren.

Sánchez-Bayo analysiert: «Die Bäume und Sträucher, die normalerweise die Felder umgeben, werden beseitigt. Übrig bleiben nackte Felder, die mit synthetischen Düngemitteln und Pestiziden behandelt werden.» Der Forscher glaubt, dass neue Klassen von Insektiziden, die in den letzten 20 Jahren eingeführt wurden, besonders schädlich sind.

Diese Chemikalien würden routinemässig verwendet und in der Umwelt fortbestehen: «Sie sterilisieren den Boden und töten alle Larven.» Die Menschheit müsse die Art und Weise, wie sie Lebensmittel anbaut, verändern, sagte Sánchez-Bayo. Demnach würden beispielsweise Biobetriebe zum Überleben der Insekten beitragen. 

Auch persönlich habe Sánchez-Bayo kürzlich beobachten können, dass die Zahl der Insekten abnehme, wie er dem «Guardian» verriet: Beim Urlaub mit seiner Familie habe er mit dem Auto eine Strecke von 700 Kilometern durch das ländliche Australien zurückgelegt – aber nicht einmal die Windschutzscheibe reinigen müssen: «Vor Jahren musste man das ständig tun.»